wovon wir alle nicht so gerne reden …

… ist die Tatsache, dass etliche Leute das Leben neben uns nicht ertragen haben.

Ich meine das nicht persönlich: Unsere Gesellschaft ist ganz nebenbei mörderisch.

Schon in der 1.Klasse der Volksschule Altötting gab es einen rothaarigen Mitschüler, mit Reinhard Pillock ist mir sein Name nach gut 50 Jahren noch in Erinnerung, heute würde man ihn vielleicht als ADHS oder hyperaktiv diagnostizieren und behandeln,

heute kann man sich eine schlechtere Behandlung wegen roter Haare kaum mehr vorstellen, und unser sehr katholisches Fräulein war eigentlich schon pensioniert gewesen, aber die geburtenstarken Jahrgänge 1954 … er stand bei ihr in den Ermahnungen  und Strafen immer als schlechtes Beispiel ganz vorn.

Er kam in ein Heim und ein / zwei Jahre später erzählte jemand, er habe sich umgebracht. Mehr erfuhren wir nicht …

Viele Jahre später erhängte sich Anni, Kassenfühende in der Jugendarbeit, die mit ihren Eltern aus Siebenbürgen gekommen war, Mutter und Grossmutter immer mit ihren schwarzen Kopftüchern …

Dann einer am Rande einer der neuesten Jugendpartys, mit 16 oder so, und die Reihe geht weiter …

Mein Studienkollege Rudi Malovits, und ein junger Mann, der 2004 „in den Eisbach fiel“ … Gedanken,

ausgelöst durch den Artikel

Selbsttötungen von LSBTTIQ als Folge gesellschaftlicher Ächtung und Verfolgung

von  Kirsten Plötz und Karl-Heinz Steinle zum „Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie“

und die Erinnerung an den Ursprung für die Schmidpeter-Stiftung vor gut 10 Jahren? Ein schwuler Jugendlicher …

Selbsttötung ist ein seltenes Wort

und sie kann natürlich auch mit anderen Krankheiten zusammen hängen, aber vielleicht sollten wir zumindest an die Möglichkeit denken, welche Orientierung Anlass zu Diskriminierung oder für Angst sein kann ohne fix zuzuschreiben …

Selbsttötung umschreibt den objektiven Vorgang

und will damit nicht relativieren, sondern das Feld offen halten: Welche Beweggründe kommen in Frage, wer ist angesprochen, was war die aussichtslose Lage, die unerträgliche Krankheit oder das Stigma?

Keine Lebensperspektive

zu haben, fällt bei manchen Kontexten erst mal gar nicht auf: Die Schule schiebt dich durch, bis du vor der Berufswahl stehst, ermahnt zwar, aber Perspektiven? Beamte …

Über-Riskantes Leben kann eine Variante sein

und manche Schwule führen ein Leben am Abgrund, suchen die riskantesten Abenteuer, wenn die „Gemütlichkeit“ nicht mehr auszuhalten ist.

Selbstmord

Mit oder ohne Abschiedsbrief: Immer ist es auch ein nicht ausgeführter Mord an Angehörigen und Beteiligten, die damit getroffen werden, entsprechend schweigen.

Lebensperspektiven zeigen

wird zur Aufgabe der gesamten Gesellschaft, und nicht erst in einem „kritischen Alter“, denn es gibt auch noch eine ansteigende Zahl bei älteren allein lebenden Männern …

Rollen-Modelle jenseits der familiären Heteronorm

die nicht gleich Bundestagsabgeordnete, Showstars und ähnliches sind, aber ihren Platz in der Gesellschaft in ihrer Rolle erobert haben, in allen Berufen, in allen Lebenswelten, am Land und in der Stadt, als Freunde und Verwandte.

Lesben und Schwule, Bisexuelle

waren früher, als man noch mehr über viele Verwandte redete, in allen Familien bekannt und vertraut. Viele von uns sind aus ihren Herkunftsfamilien geflohen, manche über weite Strecken und in entfernteste Städte, um den heuchlerischen Gemütlichkeiten von tabuisierten Familienkonstellationen zu entfliehen, Gewalt und Missbrauch auszuweichen und die „heile Welt“ weit weg zu finden. In den Therapien kommt sie nach …

§175 und ein unglücklicher König

Seine Ärzte waren da noch etwas hilflos, seine Familie meinte vielleicht, nach helfen zu müssen: Den nachtschwärmerischen Schlösser-Bauer LudwigII liessen sie noch internieren, wie seinen schon vorher erkrankten Bruder Otto, und tragischerweise hat er uns mit dem Geld aus dem „Reptilienfonds“ für die Aufgabe der bayrischen Sonderrechte im Deutschen Reich die Verfolgung der Schwulen in Bayern eingehandelt.

Die Verfolgungsgeschichte

war natürlich viel älter, aber in jener Zeit gab es in Bayern und Österreich gerade keine Verfolgung, was viele „Nordlichter“ in das „liberale Bayern“ lockte, und die Fischerjungen am Starnberger See hatten zahlungskräftige Gäste hinaus zu rudern … was sogar zur kaiser-nahen Eulenburg-Affaire führte.

begann im christlichen Mittelalter

und war oft tödlich, wie die Hexenprozesse auch mit dem Verfall des Vermögens an die Kirche, die bis heute auf all diesen Grundbesitzungen hockt, oft auf bösen Nachbarn, Unterstellungen und Denunziationen, manchmal auch einfach, weil eine Witwe nicht so wollte, wie sie sollte …

Karl Heinrich Ulrichs

war ein Rechtsgelehrter aus Aurich, der beim 7. Juristentag in München 1867 sein Anliegen vortrug, auf die mangelnde Rechtseinheit der deutschen und österreichischen Länder verwies und zum Schweigen gebracht wurde, zu anstößig erschien manchen sein Anliegen „den reich fließenden Quell zum Selbstmord“ zu schließen.

Dazwischen liegt das 1000jährige Reich,

das im zweiten seiner 12 Jahre im Juli 1934 mit dem Mord an Ernst Röhm und seinen Kumpanen von der SA-Spitze und ca 100 weiteren Morden von Hitler-Kritikern in der „Nacht der Langen Messer“ mit der Verfolgung von Schwulen begann, in der Breite am 20. Oktober 1934 mit Razzien wie beim Lokal Schwarzfischer am Oberanger, wo jetzt ein Bodendenkmal erinnert: jourfixeblog./somewhere-over-the-rainbow-in-muenchen-zur-einweihung-des-bodendenkmals-fuer-die-in-der-ns-zeit-verfolgten-schwulen-und-lesben/

150 Jahre später

haben wir plötzlich – wieder gegen die empörten Stimmen mancher Gestriger – die „Ehe für alle“, während die Ehedauer statistisch auf 19 Jahre sinkt und 30% Wahrscheinlichkeit der Beständigkeit „bis dass der Tod euch scheidet“ besteht.

Aber wir bekommen am 26.8.17 einen Festakt im NS-Dokumentationszentrum:

150 Jahre Kampf gegen §175 in München

Der Katholizismus

(wohl ähnlich in jüdisch-islamischer Tradition, in Pietismus und bei alten Protestanten)

hat noch etliches für den Umgang mit seinen Mitarbeitenden zu lernen, denn die Diskriminierung in den Arbeitsverhältnissen wird sich nicht halten lassen, ansonsten ist irgendwann mit der Streichung der Mittel aus öffentlichen Kassen zu rechnen.

Pädophile, Priester & Lehrkräfte?

Die JournalistInnen freuen sich über solche Aufreger, und die Schulleiter haben Panik davor: Was, wenn rauskommt, dass … NIX? Ja, das gibt es … gab es schon immer.

Künstliche Hysterie brachte neulich auch der Bayrische Rundfunk, als eine Grüne Abgeordnete von bezahlter Sexualbegleitung für Behinderte berichtete: Beschreibt man das als „Prostituierte auf Krankenschein“ oder als Menschenrecht auf sexuelle Befriedigung?

Les-bi-schwule LehrerInnen

könnten, wie alle anderen Heterosexuellen einen normalen Umgang mit Sexualität vermitteln. Nein, dafür gibt es Sexualpädagogik?

offen leben?

Lebensmodelle engagierten Lebens, das nicht „in eigenen Kindern verwirklicht“ werden muss, wären eine allmähliche Abkehr von der nazi- und rassen-ideologisch geprägten Lebensform, die in den 50er und 60er Jahren noch einmal Hochkonjunktur hatte.

Was man vergessen hatte, muss man wiederholen?

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Veröffentlicht von

fritzLetsch

Gestaltpädagoge und -therapeut, Coach, Organisationsentwicklung für gemeinnützige Betriebe und Projekte, Theaterpädagogik und Legislatives Theater, Supervision, Radio und Kampagnen

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