Vom Sodomiten zur PrEP-Schlampe: Wanderwege der Sexfeindlichkeit

Zur mittelalterlichen Angst gehört noch die Vorstellung, dass die Sünde der Anderen das Unglück und die Dämonen auf Alle herbei ruft, und noch immer stehen in München um die Mariensäule die Engel, die Lemuren besiegen, die Aus-Geburt der Sünde, wozu die Homosexualität zählte und in der Orthodoxie für immer zählen wird.

Aufklärung, wie die von Magnus Hirschfeld wird immer wieder zu wiederholen sein, denn die Mediziner und Lehrkräfte sind dazu nicht in der Lage: Sie sind selbst nicht ausgebildet, den 11,2% der queeren SchülerInnen gerecht zu werden, die in ihrer Entwicklung unsicher und gefährdet werden, anfällig für jeglichen Unsinn, den der Konsumismus bietet …

der zaunfink

Wenn eine neue Methode bekannt wird, mit der sich schwule und bisexuelle Männer effektiv vor einer HIV-Infektion schützen können, dann sollte man erwarten, dass die Betroffenen sich grundsätzlich wohlwollend damit auseinandersetzen und die Chancen und Risiken dieser neuen Option sachlich abwägen würden. Das passiert auch, aber gleichzeitig passiert noch etwas ganz anderes. Diskussionen über die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP)1, die sich derzeit auch in Deutschland zunehmend etabliert, sind regelmäßig getrübt durch verstörende Entsachlichung, verstockte Fakten-Leugnung, erhöhte Trolldichte und ganz generell überdurchschnittliche Verstrahltheit. Typische Kommentare sehen z.B. so aus:

„Warum sollten gesunde Menschen gefährliche Medikamente nehmen? Wenn die Bareback-Szeneschwuppen zu faul oder zu doof sind, ein Kondom zu verwenden, dann haben sie sich ihre Infektion auch verdient!“

„Soll ich etwa über meine Krankenkasse verantwortungslosen Darkroomschlampen ihren Partyspaß finanzieren? Wenn die sich unbedingt durch alle Betten vögeln müssen, dann sollen sie das wenigstens selbst berappen!“

Ursprünglichen Post anzeigen 5.107 weitere Wörter

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Veröffentlicht von

fritzLetsch

Gestaltpädagoge und -therapeut, Coach, Organisationsentwicklung für gemeinnützige Betriebe und Projekte, Theaterpädagogik und Legislatives Theater, Supervision, Radio und Kampagnen

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