11,2% der Jugendlichen empfinden sich queer

11,2% aller Schüler werden in den Schulen nicht so angesprochen, wie es ihnen entspricht:   (*

Alle queeren SchülerInnen hätten ein Recht, in ihren Entwicklungen angemessen begleitet zu werden, viele lesbische und schwule sowie trans- Jugendliche wissen schon ab 11 – 16 Jahren, dass sie nicht zur Hetero-Norm gehören, die in allen Schulbüchern und in allem Verhalten verbreitet werden.

Aber nicht nur die Schulbücher sind auf neue Zeiten NICHT vorbereitet: auch die Lehrkräfte in Bayern sind es nicht, denn eine Pädagogik, die mit persönlichen Identitäten umgehen könnte, gibt es nicht.

Die Ausbildung zu persönlicher und sexueller Entwicklung und die Besprechung solcher Themen sind nicht vorgesehen, weder in Ausbildung, noch in Fortbildungen, und wenn Fachleute der Sexualpädagogik in die Schulen eingeladen werden, gibt es zwar große Dankbarkeit, aber wenig fachliche Anknüpfungen.

queer-offene Gruppen in Schule und Hochschule starten?

An der Kunst-FOS und -BOS gibt es eine „Gay-Straight-Alliance“, und es könnte sicher noch eine Beschreibung zu finden sein, in der alle Beziehungs- und Identitätsformen und daran Interessierten sich finden könnten.

Nun gibt es in fast allen Schulen irgend eine Form der Sozialen Arbeit, doch wie ist so eine Gruppe zu starten?

Eine kleine Anleitung und Erfahrungsberichte, Austausch- und Peer-Beratungs-Ebenen, auf denen dann die jungen Leute selbst initiativ werden können, eine Verbreitungs-Ebene über Beratungsstellen, Lehrer-Verbände, Soziale Arbeit und Schulleitungen …

wer mag sich mit dran machen, vielleicht für ganz Baiern?

)* Studie des Deutschen Jugend-Institut DJI

Acht von zehn LGBT-Jugendlichen erleben … – queer.de www.queer.de/detail.php?article_id=29678

Studie des Deutschen Jugendinstituts Acht von zehn LGBT-Jugendlichen erleben Diskriminierung. Das neue Buch „Coming-out – und dann…?!“

„Mehr als 80 Prozent der LGBT-Jugendlichen in Deutschland werden diskriminiert – obwohl in den vergangenen Jahren die Akzeptanz gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zugenommen hat. Am häufigsten erleben junge Queers Diskriminierungen in der Öffentlichkeit, in Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in der Familie und im Freundeskreis. Diese Erfahrungen beschreiben die beiden Wissenschaftlerinnen Claudia Krell und Kerstin Oldemeier vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in ihrem neuen Buch „Coming-out – und dann…?!“. Es basiert auf einer bundesweiten Online-Befragung von 5.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 27 Jahren und 40 persönlichen Interviews.“ www.queer.de

grell_oldemeier_coming out djiClaudia Krell, Kerstin Oldemeier: Coming-out – und dann…?! Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. 260 Seiten, Verlag Barbara Budrich. Leverkusen/Opladen 2017. 28 Euro. ISBN: 978-3-8474-0572-6

 

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inter* ist viel mehr als wechseln …

Das Sternchen*,

das immer mehr Menschen in ihre diversen Anreden und Bezeichnungen von Geschlecht und Orientierung einfügen, LGBT*I oder queer* soll den Platz für den möglichen Wandel oder „das noch nicht bezeichnete“ markieren. Inter* ist ein Lebens-Zustand.

Ein spannendes Fachgespräch der Grünen im bayrischen Landtag brachte die Spannungsfelder der Medizin und des gesellschaftlichen Denkens zu den Interessen der Betroffenen in die politische Ebene.

Es fehlt aber noch an Selbstorganisation vor Ort, denn das Internet ist reich und vielfältig, aber nur eine vituelle Hilfe, wo menschliche Beratung, Erfahrung und Expertise gebraucht wird:

Identität und Geschlechtsmerkmale, Chromosomen und Hormone, dutzendweise Ansätze und Erklärungsmuster, Gesetzesvorschläge und „DSD“ (disorder sexual development) Leitlinien: Disorder und „Störungen“ sind aber nur Kassen-relevant, nicht Identitätsstiftend.

Die Vielfalt der jeweiligen Abweichungen in Chromosomen-Wirkung, Hormonspiegel und Wohlergehen erfordert gute Koordinationen in der Selbstorganisation. Die Medizin bearbeitet nur den einzelnen Fall.

So weit die Fortschritte und die damit verbundenen Hoffnungen.allerseelenhimmel

Die bayrische Realität

würde ich heute immer noch anders formulieren:

Es gibt nur ein Geschlecht, und das herrscht.

Das weniger Wertvolle, nicht zu Priesteramt und männlicher Erbfolge berechtigte, und seine diversen Abweichungen, sollen erst mal still sein.

Aus wahlkampftechnischen Gründen können weniger wertvolle (fe-male) Personen in Ämter und Listen aufgenommen werden, sollen sich aber anständig anziehen und zurückhalten.

Stammhalter und Büchsenmacher sind Traditionsbegriffe unserer Heimat.

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inter* ist kein Geschlecht

sondern ein Zustand, der von Geburt her (und vorgeburtlich) erst einmal akzeptiert werden soll, und keinesfalls abgetrieben oder sterilisiert werden darf. „Geschlechtsangleichene“Operationen bedürfen einer Zustimmung, wenn sie nicht wirklich medizisch zum Überleben notwendig sind.

Zwischen 1 von 1000 oder 1 von 10.000 Geburten mit „Anomalien“ liegen die Schätzungen, und 95% Operationen bingen 84% mit weiblichem Ergebnis. Die innere Entwicklung bringt dann oft erst die Probleme.

Geburtsvorbereitung

und Schwangeren-Beratungen, Hebammen und Beratungsstellen sind am nächsten dran, wenn sich junge Leute mit Kinderwunsch und Schwangerschaft auseinandersetzen, und schon dort sollte die Frage eines „Wunschgeschlechtes“ problematisiert werden.

Eltern, Erziehende und Schule

brauchen ein paar schlichte Hilfestellungen, um das generelle kindliche Selbstbestimmungsrecht gegen die übertriebene Fürsorge abzugrenzen:

Es gibt alle verschiedenen Geburts- und Lebensformen, die vorHERRschenden sind nicht Norm, sondern altbackene Gewohnheit.

richard-john-jones

Selbsthilfe kann der Medizin helfen,

zu lernen, wie die Beratung zur Selbstbestimmung in allen geschlechtlichen, körperlichen, organischen, hormonellen oder verändernden Behandlungen und Eingriffen zu erfolgen hat.

Brüche können Räume öffnen

In der Migration ist die gesamte sexuelle Thematik von Orientierung bis Lebensformen als Transfer zu bearbeiten: Was sagen Herkunftskulturen und Religionen, was die Aufklärung und die Demokratie?

Wie geht das Lernen, das Thematisieren von Interessen, Unterschieden und Veränderungen, welche sprachlichen Horizonte kann uns die Literatur und Kunst öffnen?

Liebe hatte viele Kulturen …

und schon die Umgangsweisen mit divers Behinderten bringt ganz schnell die Hilf- und Sprachlosigkeit zu Tage, wenn es um Sexualitäten und Rechte geht.

Die Forderung nach Sexualbegleitung kommt vor allem aus dem Erleben von spät oder durch Unfall behindert gewordenen Menschen.

Das Recht, ein andere* zu werden

hieß ein spannendes  Buch der evangelischen Dichterin und Theologin Dorothee Sölle. Im Original der 70er Jahre hieß es natürlich „anderer“. Sie leitete biblisch ab, dass wir uns verändern dürfen, zu werden, was wir noch nicht sind … vom Exodus als Ausweg aus einer Unterdrückung.

Sie kann uns vielleicht zu den spannendsten Bruchstellen begleiten: Ich denke an Träger wie die kirchlichen Frauenbünde und Landfrauen-Organisationen, die pragmatisch mit den Kinder-kriegen-Themen verbunden und am Aufwachsen ihrer Jugend informiert sind.

Jugendverbände können dort ihre Interessen und Unterstützungen einbringen, und im intergenerationen – und interkultur-Lernen neue Dimensionen öffnen.