Liebe Urano-Dioninge, hätte Karl Heinrich Ulrichs begonnen,

euch zu grüßen, liebe Bisexuelle,

denn vor 150 Jahren hatte er am 26.8.1867 in München vor dem Deutschen Juristentag die Straf-Freiheit für unsere Sexualitäten gefordert, und eine klare Abgrenzung der „Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Er war als junger Gerichts-Assessor im Königreich Hannover aus dem Dienst entfernt worden, weil er offen seine Veranlagung aussprach, von der er annahm, dass sie ihm von der Schöpferkraft gegeben war, (nicht, wie andere später noch annahmen, durch „Ansteckung“).

Er hatte, auf Platons Reden bezogen, eine Geschlechtstheorie entwickelt, die auch lange Zeit später noch Grundlage für die Forschungen zum „3. Geschlecht“ bei Magnus Hirschfeld in Berlin war, bevor ihm die Nazis das international renommierte Forschungsinstitut ruinierten.

Dioninge sind die aus zwei Geschlechtern entstandenen Menschen mit eben solcher Orientierung, Urninge, nach dem Gott Uranus, aus einem Geschlecht zusammengestellt und auf jenes auch bezogen.Ulrichs_Karl.jpg

Er machte noch keinen Unterschied zwischen Lesben und Schwulen, die es als Begriffe ja noch lange nicht gab: Wohl aber sah er Beziehungen zwischen Urningen (Homo) und Dioningen (hetero) und hielt sie für bedenklich.

Wir wissen heute, dass es durchaus schwierig sein kann, mit wenig differenzierenden Menschen zusammen zu leben, doch finden sich ja auch oft wieder passende „Deckelchen auf die Töpfchen“, wie man gelegentlich sagte,

und seine Wahrnehmung und umfangreiche Korrespondenz in jener Zeit machte ihn auch zum Experten für Fragen der Hermaphroditen, Zwitter, und heute würden wir sagen, Intersexuelle und Trans-Personen.

Dieser frühe Sexualforscher erlebte nun in den Zeiten der Reichs-Einigung, dass die preußische Rechtssprechung sich überall durchzusetzen begann: In seinem Königreich Hannover gab es zuerst so wenig Strafbarkeit für Mann-männliche Liebe wie damals in Bayern, wo sich vermehrt junger preußischer Adel und Kinder reicher Leute aus Berlin herum trieben, sich auf dem Würmsee von den Fischerjungen hinaus rudern ließen …

München_Ulrichs_FGH …der heute Starnberger See heißt. Die Eulenburg-Affaire erschütterte damals das preußische Kaiserhaus, denn es waren ein paar direkte Freunde beteiligt, und alle Zeitungen berichteten über die Enthüllungen.

Im NS-Doku-Zentrum München:

wird es am Samstag, 26.8. von 19-21h einen Festakt geben, zu dem ihr alle eingeladen seid, bei dem dann auch ein paar dankbare Reden geschwungen werden und abschließend sollen ein paar vom §175 Betroffene ihre Erfahrungen berichten.

zzza1Falls ihr in der Gegend von l’Aquila in Italien seid, im süßen Arkadien, wohin Ulrichs seinem verehrten Dichter August von Platen folgte, wie auch später Oscar Wilde noch schrieb, dort wird auch am 28.8. noch sein Geburtstag gefeiert, von einer internationalen Community, wie ihr hier findet:

www.angelfire.com/fl3/celebration2000/#sub1

das Programm der Fachtagung findest du hier, der Festakt ist öffentlich!

www.invertito.de/dat/fhg_jt2017_programm.pdf

und mehr Ausführungen und Links auf www.fairmuenchen.de und www.einweltnetz.org sowie im Blog Befreiungsbewegung

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150 Jahre Kampf gegen §175 in München

Freitag, 25.08.2017 – Sonntag, 27.08.2017

Festakt zum 150. Jahrestag der Rede von Karl-Heinrich Ulrichs auf dem Deutschen Juristentag in München

 

und Jahrestagung des Fachverbands Homosexualität und Geschichte (FHG) www.invertito.de

Im Jahr 2017 kann ein besonderes Ereignis der gesellschaftlichen Formierung der bis dahin unterdrückten, ausgegrenzten und verfolgten Minderheitengruppe der Homosexuellen gefeiert werden:

Zum 150. Mal jährt sich der Auftritt von Karl Heinrich Ulrichs am 29. August 1867 vor mehr als 500 deutschen Rechtsgelehrten auf dem Münchner Juristentag im großen Saal des Odeon. fhm_200x200

Ulrichs’ Forderung war revolutionär, da er mit seinem öffentlichen Eintreten für die reichs-einheitliche Straffreiheit gleichgeschlechtlicher Beziehungen einen wesentlichen Beitrag zum Bewusstsein für eine rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung der Homosexuellen leistete.

Programm:
Samstag, 26. August Tagung des FHG

  • Vorträge von Maria Bühner (Mitarbeiterin am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig): Im Aufbruch: Die Lesbenbewegung der DDR aus emotions- und körperhistorischer Perspektive,
  • Raimund Wolfert (Mitarbeiter der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft): Ernst Ludwig Driess. In der Tradition Magnus Hirschfelds,
  • Ariane Rüdiger (Freie Journalistin und Lektorin): Der Münchner Arbeitskreis Lesben und Arbeit – ein Einblick in lesbische Befindlichkeiten „on the job“ in den frühen 1990er Jahren, Kirsten Plötz (Freie Historikerin, Hannover): Zentrale
  • Ergebnisse des Forschungsprojekts über Verfolgung und Diskriminierung im jungen Bundesland Rheinland-Pfalz und Matthias Gemählich (Promovend im Fach Geschichte an der Universität Mainz): Die Verfolgung von Homosexuellen in der NS-Zeit in Nürnberg

Ort: Seminarräume des NS-Dokumentationszentrums, Brienner Str. 34, 80333 München Uhrzeit: 10:00–13:00 Eintritt: frei, bitte am Info-Desk des NS-Informationszentrums nach den Seminarräumen fragen

Stadtrundgang auf den Spuren von Karl Heinrich Ulrichs

Treffpunkt: Karl-Heinrich Ulrichs Platz 15:30–17:30 Eintritt: frei, begrenzte Teilnehmerzahl, Anmeldung: veranstaltungen.nsdoku@muenchen.de; 089-233-67015

Festakt zu Ehren von Karl Heinrich Ulrichs

  • Re-Enactment des Auftritts von Karl-Heinrich Ulrichs vor 150 Jahren im Münchner Odeon durch Laienschauspieler, unterstützt durch eine Theatergruppe
  • Vortrag von Wolfram Setz zur Biografie Karl-Heinrich Ulrichs und zur aktuellen Ulrichs-Forschung
  • Grußwort von Anke Müller-Jacobsen, Vertreterin des Deutschen Juristentags
  • Vortrag von Andreas Pretzel zur Entwicklung des § 175
  • Moderiertes Schlusswort von Betroffenen des § 175

Ort: Vortragssaal des NS-Dokumentationszentrums, Brienner Str. 34, 80333 München
Uhrzeit: 19:00–21:00 Eintritt: frei, mehr Informationen und Programminfos demnächst auf www.forummuenchen.org