Queer in Bayern

Queer in Bayern?

EINLADUNG

zur Vorstellung der Studie:

„Queeres Leben in Bayern“

Online-Veranstaltung – Donnerstag, 18. Juni 2020 | 18.30 bis 20.00 Uhr

Liebe queerpolitisch Aktiven,

liebe Freundinnen und Freunde,auf dem Land oder in der Stadt, wir wollten es genau wissen – wie lebt es sich als queerer Mensch in Bayern?

Deswegen hat die bayerische Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit der Hochschule Landshut eine Online-Befragung durchgeführt.

Mit knapp 900 Teilnehmer*innen liegt erstmals ein differenziertes und aussagekräftiges Bild über die Lebenssituation queerer Menschen in Bayern ab 16 Jahre vor.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, Bayern ist kein diskriminierungsfreier Ort für queere Menschen. Insgesamt hat jede*r zweite*r queere Befragte schon mal Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und/oder geschlechtlichen Zugehörigkeit erfahren.

In den meisten Lebensbereichen sind Beleidigungen und Beschimpfungen die am häufigsten gemachte Diskriminierungserfahrung. Bei einem teilgruppenspezifischen Blick auf die queeren Befragten sind die Gruppen der trans*geschlechtlichen und der divers*geschlechtlichen Menschen besonders häufig von Diskriminierung betroffen, gefolgt von lesbischen Frauen.

Bei unserem Webinar am 18.6.2020 werden die Studienergebnisse detailliert vorgestellt und anschließend diskutiert. Mit dabei sind Alis Wagner, Hauptautorin der Studie und Markus Apel, Mitglied im Landesvorstand des LSVD Bayern.

Wir freuen uns sehr, Sie und Euch bei dieser Veranstaltung begrüßen zu dürfen.

Bunte GrüßeTessa Ganserer, MdL

Tessa Ganserer, MdL
Queerpolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag

HINWEIS

Zur Teilnahme einfach auf den Anmeldebutton klicken und mit Name und E-Mail registrieren. Alle weiteren Infos zur Teilnahme werden dann zugeschickt.

IDAHOBIT? München?

am 17.05. ist wieder IDAHOBIT in München!

Dieses Jahr jährt sich – wie ihr wisst – Stonewall zum 50. Mal!

Und in diesem Jubeljahr wollen wir natürlich eine eindrucksvolle Demo zum „International Day Against Homo-, Bi- Inter- and Transphobia“ auf die Beine stellen.

Folgende Dinge brauche ich von euch:

  1. Meldet euch bitte bei mir, ob ihr mit Logo auf dem Flyer vertreten sein wollt.
  2. Schickt mir das aktuelle Logo!
  3. Wollt ihr/willst du bei der Auftaktkundgebung sprechen? 4 Minuten maximal.

Die Redner*innen sollten – wenn möglich – die ganze Bandbreite der Community(s) abdecken.

Weitere Infos folgen bald.

Bei Fragen und Ideen könnt ihr euch gerne an mich wenden!

Liebe Grüße, Jan

Jan Geiger im Sub: + 49 (0) 89 856 34 64 -01 I Fax: + 49 (0) 89 856 34 64 -04

jan.geiger@subonline.org | www.subonline.org | www.sag-muenchen.de

Sub – Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München e.V. | Müllerstraße 14 | 80469 München


„Du bist auch am 17.Mai geboren?“

war einmal eine verklausulierte Frage beim Kennenlernen, ob du auch dem §175 unterliegen würdest, wenn du deine Sexualität ausleben würdest.

Bis 1969 galt das Verbot jeder „homosexuellen Betätigung“ auch für Erwachsene, dann wurde das „Schutzalter“ auf 18 Jahre festgesetzt … bis die fallende DDR eine gemeinsame Lösung finden musste …

Heute sind wir an den Weigerungen der Alten, Konservativen und Reaktionäre, die medizinischen Diversitäten und sexuellen Orientierungen zu akzeptieren, die vielfältigen Lebensformen anzunehmen und nicht abzuwerten: Patchwork- und Regenbogen-Familien, Kinderlosigkeit und Alleine-Leben, Wohngemeinschaften und alles, was es schon lange gibt …

11,2% der Jugendlichen empfinden sich queer

11,2% aller Schüler werden in den Schulen nicht so angesprochen, wie es ihnen entspricht:   (*

Alle queeren SchülerInnen hätten ein Recht, in ihren Entwicklungen angemessen begleitet zu werden, viele lesbische und schwule sowie trans- Jugendliche wissen schon ab 11 – 16 Jahren, dass sie nicht zur Hetero-Norm gehören, die in allen Schulbüchern und in allem Verhalten verbreitet werden.

Aber nicht nur die Schulbücher sind auf neue Zeiten NICHT vorbereitet: auch die Lehrkräfte in Bayern sind es nicht, denn eine Pädagogik, die mit persönlichen Identitäten umgehen könnte, gibt es nicht.

Die Ausbildung zu persönlicher und sexueller Entwicklung und die Besprechung solcher Themen sind nicht vorgesehen, weder in Ausbildung, noch in Fortbildungen, und wenn Fachleute der Sexualpädagogik in die Schulen eingeladen werden, gibt es zwar große Dankbarkeit, aber wenig fachliche Anknüpfungen.

queer-offene Gruppen in Schule und Hochschule starten?

An der Kunst-FOS und -BOS gibt es eine „Gay-Straight-Alliance“, und es könnte sicher noch eine Beschreibung zu finden sein, in der alle Beziehungs- und Identitätsformen und daran Interessierten sich finden könnten.

Nun gibt es in fast allen Schulen irgend eine Form der Sozialen Arbeit, doch wie ist so eine Gruppe zu starten?

Eine kleine Anleitung und Erfahrungsberichte, Austausch- und Peer-Beratungs-Ebenen, auf denen dann die jungen Leute selbst initiativ werden können, eine Verbreitungs-Ebene über Beratungsstellen, Lehrer-Verbände, Soziale Arbeit und Schulleitungen …

wer mag sich mit dran machen, vielleicht für ganz Baiern?

)* Studie des Deutschen Jugend-Institut DJI

Acht von zehn LGBT-Jugendlichen erleben … – queer.de www.queer.de/detail.php?article_id=29678

Studie des Deutschen Jugendinstituts Acht von zehn LGBT-Jugendlichen erleben Diskriminierung. Das neue Buch „Coming-out – und dann…?!“

„Mehr als 80 Prozent der LGBT-Jugendlichen in Deutschland werden diskriminiert – obwohl in den vergangenen Jahren die Akzeptanz gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt zugenommen hat. Am häufigsten erleben junge Queers Diskriminierungen in der Öffentlichkeit, in Schule, Ausbildung und Beruf, aber auch in der Familie und im Freundeskreis. Diese Erfahrungen beschreiben die beiden Wissenschaftlerinnen Claudia Krell und Kerstin Oldemeier vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in ihrem neuen Buch „Coming-out – und dann…?!“. Es basiert auf einer bundesweiten Online-Befragung von 5.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 27 Jahren und 40 persönlichen Interviews.“ www.queer.de

grell_oldemeier_coming out djiClaudia Krell, Kerstin Oldemeier: Coming-out – und dann…?! Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und queeren Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland. 260 Seiten, Verlag Barbara Budrich. Leverkusen/Opladen 2017. 28 Euro. ISBN: 978-3-8474-0572-6

 

Erpressung oder Liebe?

Die Diskriminierung in den eigenen Reihen machte Bisexualität immer besonders riskant: Wer nach außen ein heterosexuelles Leben führt, vielleicht mit Beruf, Haus, Kindern, riskiert bei einer homosexuellen Affaire seine Existenz.

Früher konnte das zur gesellschaftlichen Ächtung, ins Zuchthaus oder zum Konzentrationslager führen, oder zu einem lukrativen Einkommen für die Erpressenden.

Was Jahrhunderte lang als Bedrohung über der Liebe zum gleichen Geschlecht lag, wirkt bis heute weiter: Als Angst, als eigene Abwertung, als Gefühl der Abweichung oder Fehlerhaftigkeit, die von außen immer wiederholt wird.

Das Ausweichen in die Hetero-Sexualität liegt nahe, wenn es leicht möglich ist: Eine bisexuelle Neigung haben schon 60% in den alten Studien von Kinsey in den 1950er Jahren bei sich festgestellt, er befragte auch in Knästen und die Studierenden der Hochschulen …

und den 5-10% der Lesben und Schwulen stehen am anderen Ende der Skala 10-20% der reinen Heteros und der Rest der Asexuellen und Beziehungslosen gegenüber. Wie also mit den bisexuell Erfahrenen umgehen?

Auch, wenn viele von ihnen nicht aus ihrer Hetero-Norm heraus gekommen sind: Sie sind deswegen nicht so Bisexuellen-feindlich wie manche traumatisierten Homosexuellen.

Nicht jede Liebe bleibt, und manche Erinnerung wird zum flüchtigen Traum …

http://bisexual-community.tumblr.com/
http://bisexual-community.tumblr.com/

Lesben und Schwule brauchen ihre Romantik

und kopieren nun die verheiratete Zweierbeziehung, „wie es sich gehört“, um zur gesellschaftlichen Anerkennung zu kommen. Bisexuelle, die auch noch andere Beziehungen haben könnten, stören dabei und werden ausgeblendet. Achtet doch einfach mal auf den Gebrauch der Floskeln zu LGBTi* und die Realität dahinter.

Familien-Lösungen?

Wer schon in einer familiären Beziehung lebt und von einer unbekannten Sorte Liebe angefallen wird: Natürlich musste er / sie da immer widerstehen … weil das schon immer so war. Wie reaktionär und spießig sind nun Lesben und Schwule in der heutigen Realität?

http://bisexual-community.tumblr.com/
http://bisexual-community.tumblr.com/

Nicht alle: Viele leben ganz einfallsreiche Lösungen, tönen aber vielleicht seltsam nach außen, und dann gibt es die gesellschaftliche „Ordnung“ des Seitensprung und der Sauna, des One-Night-Stands …

aber auch Familien, in denen die neuen Partner mit leben können.

offene Beziehungen

Auch, wenn inzwischen alle bewusst lebenden Paare gemerkt haben, dass sie ihre Beziehung je nach Erwartungen in der Treue genauer definieren müssen, weil die Erfahrungen zu verschiedenartig zu deuten sind: Was gilt ein Flirt, was ist eine Verliebtheit, was ist Sex und ab wann fange ich an zu gestehen, zu verletzen, zu verlassen …

und wenn den gemeinsame Sex nicht mehr für beide gleich befriedigend ist: Mit einzelnen Ausflügen oder gemeinsamen Dritten oder mit anderen Paaren …

http://bisexual-community.tumblr.com/
http://bisexual-community.tumblr.com/

poly-amor?

Eifersucht ist erst einmal die Angst vor der eigenen Verlassenheit, aber dann: Wozu bin ich fähig, was können wir gemeinsam?

Die Offenheit ist die Qualität, die sich die Spießer in den alten Seitensprüngen nicht vorstellen können,

bisexuell – nur angelegt?

Vor gut 100 Jahren wurde mit dem Beginn der Psychoanalyse klar, dass das Begehren und die Liebe, die Tradition und die Fähigkeiten und Möglichkeiten einen bunten Strauß bilden:

Dass wir alle bisexuell angelegt sind, meinte: Es ist deine Möglichkeit, aber vielleicht begrenzt von deiner Angst, von den Konventionen oder Rücksichten. Du kannst auch bei deiner Mutter bleiben … wenn dich dein Vater nicht raus wirft.

Bisexualitäten leben

Queeres Leben, alle die Möglichkeiten neben den eingeprägten Hetero-Normen, einschließlich diesen selbst, ist eine offene Vorstellung einer freien Gesellschaft.

Wie kann die Vorstellung breiter werden als die primitiven Bilder des „noch nicht entschieden“ oder des „ewig untreu“ oder der Hauptschüler-Porno-Phantasie „Zwei Lesben für mich“, wie geht das Reden und Schreiben über Bisexualitäten? Manche versuchen es im Umkreis von www.bine.net, bis hin zu einem unregelmäßig erscheinenden Magazin. Im englisch-sprachigen Raum gibt es dagegen mengenweise Bücher und Webseiten.

So lange wir nur lesbische und schwule PolitikerInnen und SprecherInnen in den Vereinen haben, wird das wohl keine Qualität haben, auch wenn sich Einzelne an Gender- und Trans-Korrektheiten ab-arbeiten, die Patchwork- und Regenbogen-Familien und ihre Problematiken von Adoption bis Unterhalt angemessen zu beraten versuchen.

Mut zum eigenen Leben: Queer

Vielleicht wird es in den Weite des Landes leichter zu gestalten, was im Trubel der großen Städte so scher durch zu setzen ist: Es wird nicht für jede Sorte der Queeren einen eigenen Verein, ein eigenes Zentrum geben können, aber etwas mehr Aufmerksamkeit.

Buch "Es gibt noch viel zu tun" http://querverlag.de/books/Es_gibt_noch_viel_zu_tun.html
http://querverlag.de/books/Es_gibt_noch_viel_zu_tun.html